Die Geschichte des Gebäudes

Die Zeche Auguste Victoria 1/2 in Marl findet seinen Ursprung in den 1897 niedergebrachten Schürfbohrungen in Hüls. Am 29. Juli 1898 werden für die Grubenfelder Hansi I und Hansi II die Berechtsame (= Eigentumsrechte) verliehen. Am 20. März 1899 werden die Grubenfelder Hansi I und Hansi II zum Grubenfeld Auguste Victoria zusammengefasst. Das Grubenfeld sowie die spätere Gewerkschaft wurden nach der letzten deutschen Kaiserin Auguste Victoria (*22.10.1858 in Dolzig, Niederlausitz, † 11.04.1921 in Haus Doorn, Niederlande) benannt. Nach der Bestätigung durch das Oberbergamt wird am 04. April 1899 offiziell die Gewerkschaft Auguste Victoria als Eigentümerin des Grubenfeldes gegründet.

Das Abteufen der beiden Schächte 1 und 2 begann am 01. Mai 1900. Beide Schächte waren etwa 40 Meter tief, als die Arbeiten aufgrund massiver Wasserzuflüsse eingestellt werden mussten. Am 22. Oktober 1901 beschloss der Grubenvorstand daher, den ersten Schacht vorläufig aufzugeben und sich auf den zweiten zu konzentrieren, der ab jetzt Schacht 1 hieß.

Ab Februar 1902 werden die Teufarbeiten für den Schacht AV 1 im sog. Gefrierschacht verfahren.
Im August 1903 war die anfängliche Endteufe von 147 Meter ohne besondere Schwierigkeiten erreicht und es konnte das weitere Abteufen des anderen, zunächst aufgegebenen Schachtes nach dem gleichen Verfahren in Angriff genommen werden. Die weiteren Abteufarbeiten beider Schächte konnte danach weitestgehend reibungslos fortgesetzt werden, so dass die Endteufe von 716 Metern in Februar 1905 erreicht wurde. Der erste Durchschlag wurde im Januar 1906 auf der 605-Meter-Sohle erzielt.

Im April 1904 hatte man unterdessen mit dem Ausbau der Tagesanlagen begonnen. Bis zum Frühjahr 1906 waren Fördergerüste, Kesselhaus, Verladehalle und Ziegelei in Betrieb genommen. Ein Jahr später waren auch die Kohlenwäsche, Koksofenbatterie, Kaue, Markenkontrolle, Magazingebäude und Büros fertig gestellt.
Die Gewerkschaft Auguste Victoria floriert und so wird das Grubenfeld zugig exploriert. Weitere Schächte und Durchschläge werden fertig gestellt. Am 17. März 1945 richtet ein Luftangriff auf der Schachtanlage AV 1/2 solch schwere Schäden an, dass sie die vorübergehende Stilllegung fast des gesamten Betriebes zur Folge haben. Nachdem der Angriff vorüber war, wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar.

Das Verwaltungsgebäude hatte einen Volltreffer abgekriegt und war stark beschädigt, ebenso wie Eingang und Markenkontrolle, Waschkaue, die Fördermaschinen des Hauptförderschachtes 1, Werkstätten und Gleisanlagen. Am zehnten Tag nach dem Angriff konnte über ein 10 kV-Kabel von den Chemischen Werken Hüls der Tagesbetrieb auf Schacht AV 1/2 wieder aufgenommen werden und die Instandsetzungsarbeiten im Angriff genommen werden. Hierbei bekam auch die Markenkontrolle größtenteils sein heutiges Erscheinungsbild.
1963 beschließt die Gewerkschaft Auguste Victoria die Stilllegung der Kokerei und der unwirtschaftlichen Fettkohlenzeche AV 1/2-4/5, sowie die Verlagerung der Förderung auf die Anlage AV 3/7-6. Am 31. Juli 1966 wird AV 1/2-4/5 und am 12. August die Kokerei stillgelegt.

Von diesem Zeitpunkt an wird Schacht AV 1 für die Bewetterung untertage genutzt. Alle Grubenwasser aus den Grubenfelder Auguste Victoria, sowie aus der stillgelegten Nachbar-anlage Brassert, werden im Schacht AV 2 gehoben, täglich rund 8.000 Kubikmeter.
Inzwischen werden auf dem Gelände sämtlich Anlagen nach und nach stillgelegt und abgerissen. Am 01. Januar 2007 werden die Bewetterungs- und Wasserhaltungsaufgaben von den Schächte AV 1/2 auf andere Schächte verteilt. In Oktober und November dieses Jahres werden die beiden Schächte schließlich endgültig verfüllt.

Am 01. Januar 1996 begann ein neues Kapitel in der Unternehmens- und Werksgeschichte. Das Bergwerk, sowie das dazugehörige Betriebsvermögen wurden auf die RAG Aktiengesellschaft. Die Gewerkschaft Auguste Victoria GmbH wendet sich als Eigentümerin aller Vermögensteile, die nicht dem Bergbauvermögen zuzurechnen sind, neuen Aufgaben zu.

Mit der Umbenennung in Wohnbau Auguste Victoria GmbH legt sie den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf die Entwicklung und Vermarktung ihres Immobilien- und Grundbesitzes. Für das rund 125.000 Quadratmeter große Areal („Bergwerk Auguste Victoria/Schachtstandort 1/2 (Luftbild), mit freundlicher Genehmigung der Deutsche Steinkohle AG“) am Standort AV 1/2 hat die WAV GmbH in enger Abstimmung mit der Stadt Marl ein Nutzungskonzept erarbeitet. Inzwischen wurde der WAV GmbH mit sämtlichen anderen bergbaunahen Immobilienunternehmen zur Evonik Immobilien GmbH verschmolzen.

Nachdem Ende 1999 die ersten Kontakte mit der Geschäftsführung der WAV GmbH gelegt wurden, wird im Dezember 2000 der zunächst 15 Jahre laufende Mietvertrag für das ehemalige Kontrollgebäude unterschrieben. In enger Zusammenarbeit wird die Kernsanierung und Umbau des Gebäudes in ein modernes TherapieCenter geplant und umgesetzt.
Am 01.10.2001 wird das Gebäude letztendlich seiner neuen Bestimmung übergeben.